Was ist Freimaurerei?

Ziel der Freimaurerei ist die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit. In drei Stufen – dem Grad des Lehrlings, des Gesellen und des Meisters – beschäftigen sich Freimaurer mit verschiedenen Aspekten der Selbstreflexion, der ethisch-moralischen Selbsterziehung, des individuellen Wachstums und der Charakterbildung. Freimaurer nennen dies die „Arbeit am rauen Stein“.

Zentrale Fragestellungen, mit denen sich Freimaurer beschäftigen, sind: Wer bin ich? Was sind meine guten und schlechten Eigenschaften? Wie kann ich in meinem Umfeld Gutes bewirken? Welche Prioritäten habe ich in meinem Leben, und welche Ziele will ich noch erreichen? In diesem Sinne hat Freimaurerei eine gewisse Ähnlichkeit mit Coaching, geht jedoch deutlich darüber hinaus.

Welches sind ihre Grundwerte?

Der Tradition der europäischen Aufklärung folgend, bekennen sich Freimaurer zu den Grundwerten von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Innerhalb ihres individuellen Wirkradius setzen sie sich für die praktische Umsetzung dieser Werte im Alltag ein, um so einen kleinen Beitrag zu einem menschlicheren Miteinander und einer gerechteren Gesellschaft zu leisten. Vorgegebene Vorstellungen von politischen oder sozialen Ordnungen gibt es innerhalb der Freimaurerei aber nicht.

Woher kommen die Freimaurer?

Freimaurer stehen in der Tradition der mittelalterlichen, in Logen organisierten Steinmetzbruderschaften. Im 17. und 18. Jahrhundert, in einer Zeit des geistigen Umbruchs, begannen die Bruderschaften auch Nicht-Handwerker in ihre Reihen aufzunehmen. Das Interesse des Bürgertums an einer Mitgliedschaft war sehr groß, und innerhalb kurzer Zeit veränderten sich sowohl der Charakter als auch die Arbeitsweise der Logen: Sie wurden von Arbeitsstätten der Handwerker zu Begegnungsstätten von Angehörigen aller gesellschaftlichen Schichten, in denen, dem Zeitgeist entsprechend, zunehmend Fragen ethischer, moralischer oder philosophischer Natur in vertraulichen Gesprächen erörtert wurden. Bis heute entspricht dies der Arbeitsweise von Freimaurerlogen.

Was bedeuten die Symbole?

Freimaurer verwenden eine der Steinmetzkunst entlehnte Bildsprache, in der die Werkzeuge der Handwerker zu Symbolen bestimmter Werte oder ethisch-moralischer Verhaltensweisen wurden. Der Vorteil von Symbolen besteht darin, dass sie nicht nur die intellektuelle, sondern auch die emotionale Ebene von Menschen ansprechen und vielfach auslegbar sind. Freimaurerei kennt keine für alle Symbole verbindlichen Interpretationen, Lehren oder gar Dogmen; stattdessen sind Freimaurer dazu aufgefordert, individuelle Deutungen für die Symbole zu erarbeiten und auf ihre jeweilige Lebenssituation maßgeschneiderte Anwendungsmöglichkeiten zu finden.

Sind Freimaurer ein Geheimbund?

Freimaurer sind kein Geheimbund – die Adressen der Logenhäuser sind öffentlich und die Logentermine im Internet zu finden. Freimaurer verstehen sich dennoch als diskrete Gemeinschaft, denn Diskretion schafft Vertrauen.

Für Freimaurer sind die Logen Orte eines freien und unvoreingenommenen Gedankenaustausches; hierfür bedarf es aber, wie bei jeder guten Freundschaft auch, des gemeinsamen Verständnisses, dass das, was dort besprochen wird, nicht weitergetragen wird. Mit Geheimniskrämerei hat dies jedoch nichts zu tun.

Wie wird man Freimaurer?

Freimaurerei ist eine Lebenseinstellung – und damit mehr als eine bloße Vereinsmitgliedschaft. Das Ziel der Freimaurerei ist die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit; daher kann grundsätzlich jeder unbescholtene Mann, der sich mit den freimaurerischen Grundwerten identifiziert und den ehrlichen Wunsch verspürt, seinen Horizont zu erweitern und sich weiterzuentwickeln, in die Freimaurerei aufgenommen werden.

Beschreibung der drei Johannisgrade

Der Lehrling

Ziel der Freimaurerei ist die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit. Unentbehrliche Grundlage für individuelles Wachstum ist zunächst die Selbsterkenntnis. Die große Aufgabe des Lehrlings besteht daher darin, in sein Inneres zu schauen und sich selbst zu erkennen. Dies geschieht, indem er sich kontinuierlich mit diesen und verwandten Fragen auseinandersetzt: Wer bin ich? Was macht mich aus? Was sind meine Stärken und Schwächen? Was sind meine guten und schlechten Charaktereigenschaften? In welche Richtung möchte ich mich persönlich weiterentwickeln?

Freimaurer bedienen sich einer Symbolsprache, die den Steinmetzbruderschaften des Mittelalters entlehnt ist. Zentrales Symbol des Lehrlingsgrades ist der „Raue Stein“: Der raue, unfertige Stein stellt in der Symbolik der Freimaurer den Menschen in all seiner Unvollkommenheit dar. Indem der Freimaurer an der Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit und seines Charakters arbeitet und auf diese Weise versucht, ein besserer Mensch zu werden, schlägt er, in der Terminologie der Freimaurer, die störenden Ecken und Kanten seines rauen Steines ab und glättet ihn so. Obwohl der Lehrlingsgrad der erste Grad der Freimaurerei ist, begleitet den Freimaurer die Arbeit am rauen Stein sein ganzes Leben lang.

Der Geselle

Nachdem sich der Lehrling eine Zeit lang mit sich selbst beschäftigte, ist er für die nächste Stufe bereit – den Gesellengrad. In diesem Grad verbreitet er seinen Fokus: Während der Lehrling in erster Linie in sich selbst hineinschaute und seine Aufmerksamkeit der Selbsterkenntnis widmete, geht der Geselle einen Schritt weiter und betrachtet nun seine Rolle als soziales Wesen. Im zweiten Grad ist der Freimaurer angehalten, über sein Sozialverhalten und seine Rolle in der Gemeinschaft zu reflektieren und das, was er im Lehrlingsgrad einübte, in seinem Umfeld aktiv umzusetzen.

Leitfragen des Gesellengrades sind: Welche Rolle spiele ich in meiner Familie, in meinem Freundeskreis, und der Gesellschaft? Wie wirke ich in meinem Umfeld, und wie werde ich von anderen wahrgenommen? Trägt mein Verhalten dazu bei, Ruhe und Frieden in meinem Umfeld zu stiften, oder kann es stattdessen zu Konflikten führen? Wie kann ich in meinem Umfeld Gutes bewirken?

In der Symbolik des Gesellengrades spielen Mörtel und Kelle wichtige Rollen: Diese Instrumente dienen dazu, die einzelnen behauenen Steine, die Menschen, zu einem größeren Ganzen, zur Gemeinschaft, zusammenzusetzen und fest miteinander zu verbinden.

Der Meister

Der Meistergrad ist der dritte und letzte Grad der blauen Freimaurerei. Zentrales Thema des Meistergrades ist die Endlichkeit des eigenen Lebens – ein Thema, welches die allermeisten Menschen gerne verdrängen, da sie Angst vor dem Tod haben. Freimaurer sind jedoch davon überzeugt, dass Ängste uns Menschen nur hemmen und unfrei machen, weshalb Freimaurer es sich zur Aufgabe machen, sich mit der eigenen Vergänglichkeit intensiv auseinandersetzen.

Zentrale Symbole des Meistergrades sind Winkel, Zirkel und Reißbrett. So, wie die Baumeister des Mittelalters mit diesen Werkzeugen Baupläne für Monumentalbauten erstellten, so ist auch der Freimaurermeister angehalten, einen Plan zu entwerfen – aber nicht für ein Gebäude, sondern für etwas viel Wichtigeres: Sein Leben. Zentrale Fragestellungen des Meistergrades sind daher: Was sind meine Prioritäten im Leben? Was will ich mit der mir noch verbleibenden Zeit anstellen, und was will ich in meinem Leben noch erreichen? Was soll von mir auf dieser Welt verbleiben? Könnte ich morgen sterben und guten Gewissens sagen, dass ich das beste aus der mir auf Erden gegebenen Zeit gemacht habe?

 

Weitere Informationen können Sie ebenfalls diesem Flyer entnehmen: